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Langzeitprogramm Edelweißpiraten 2007/08

Im Dezember 2007 und Januar 2008 haben wir uns mit der Geschichte der Kölner Edelweißpiraten und mit bündischem Widerstand gegen den Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Wir haben ihre Lieder und ihr Leben in Köln kennengelernt, haben den Edelweißpiraten-Spielfilm von Niko und Kiki von Glasow angeschaut und für die Weihnachtsfeier der Goldenen Reiter eine Präsentation vorbereitet. Die kann man mit Regieanweisungen als PDF runterladen oder die informativen Texte auf dieser Seite lesen.

Die Geschichte der Edelweißpiraten

Seit 100 Jahren gibt es Pfadfinder. Und ungefähr genauso alt ist die deutsche Jugendbewegung, aus der nicht nur unsere Kohte und die Juja, sondern auch der Wunsch auf Fahrt zu gehen stammt. Schon vor 80, 90, 100 Jahren haben Jugendliche in Deutschland die Städte hinter sich gelassen und sind
mit Rucksack, Kohte und Gitarre durchs Land gezogen. Über hunderttausend Mädchen und Jungen der "Bündischen Jugend" wollten wenigstens wochenends frei sein und tun, wonach IHNEN der Sinn stand.

Als Hitler kam, wollte er in Deutschland nur noch eine Jugendbewegung sehen: die Hitlerjugend. Alle deutschen Jugendlichen sollten die gleiche Uniform tragen, im Gleichschritt marschieren, Nazilieder singen und bereit werden für den Krieg, den Hitler plante. Viele Pfadfinder und bündische Gruppen konnten oder wollten sich nicht wehren und wurden Teil der Hitlerjugend. Sie trugen ab da schwarze Uniformen mit braunem Halstuch und Hakenkreuzen. Für sie stand nicht mehr
die Fahrt im Mittelpunkt, sondern das Üben für den Krieg.

Aber es gab auch viele bündische Jugendliche, die ihre Freiheit nicht aufgeben wollten. Sie wollten auch in Zukunft mit Klampfe und Juja aus den Städten ziehen statt mit Uniform und Knüppel durch die Straßen zu marschieren. Deswegen wurden sie immer wieder von den Hitlerjungen ausgelacht, angegriffen und verprügelt. Und sie begannen selbst, die HJ zu verachten und zu verspotten. Sie dichteten Lieder um, bemalten Wände mit Sprüchen und zeigten ihre Zusammengehörigkeit durch ein Edelweiß, das sie am Kragen trugen. Deswegen nannten die Hitlerjungen sie bald "Edelweißpiraten", und schließlich nannten viele sich selbst so.

Oft kam es vor, dass Freunde nichts mehr miteinander zu tun haben wollten, weil der eine bei der Hitlerjugend war und der andere als Edelweißpirat auf Fahrt gehen wollte. Sogar Geschwister wurden einander fremd und stritten sich, weil der eine bei der Hitlerjugend war und der andere die Hitlerjugend hasste.

Als der Krieg kam, mussten auch viele Edelweißpiraten an die Front. Andere versteckten sie bei Freunden oder in den Ruinen zerbombter Stadtviertel, zum Beispiel in Köln Ehrenfeld, weil sie jetzt von der Polizei gesucht wurden und gezwungen werden sollten, zur Hitlerjugend oder zur Wehrmacht zu gehen. Sie konnten sich nur noch heimlich treffen und waren auf Fahrten immer der Gefahr ausgesetzt, in Schlägereien mit der Hitlerjugend zu geraten oder von der Polizei aufgegriffen zu werden. Ihre Wut auf die Nazis wurde größer, und auch sie überfielen jetzt die HJ und versuchten, etwas gegen die Nazis zu tun.

Im zerbombten Köln Ehrenfeld, wo die meisten Edelweißpiraten hausten, bekamen einige von ihnen Kontakt zu geflohenen KZ Häftlingen, desertierten Soldaten und Widerstandsgruppen. Sie beteiligten sich an Flugblattaktionen, organisierten Waffen und versteckten Juden bei sich. Der Kölner Widerstand richtete sich nicht mehr gegen ein paar Hitlerjungen, sondern gegen die Geheime Staatspolizei, die gefürchtete Terrororganisation der Nazis (kurz: Gestapo). Auch Edelweißpiraten waren dabei, als die Ehrenfelder "Gruppe Steinbrück" plante, das Hauptquartier der Gestapo in die Luft zu sprengen. Wahrscheinlich wussten sie nicht, in welche Gefahr sie sich dabei begaben und
was sie aufs Spiel setzten.

Der Anschlag gelang ihnen nicht. Nach einer Schießerei mit der Gestapo wurden über 100 Widerständler verhaftet, darunter viele Edelweißpiraten, die jüngsten erst 15 Jahre alt. Sie wurden verhört und von der Gestapo gefoltert, damit sie gegeneinander aussagten. Die meisten hielten dem Druck nicht Stand und verrieten die Namen ihrer Freunde, wie es auch in unserem Lied vorkommt. 13 Mitglieder der Gruppe Steinbrück wurden daraufhin am 10. November 1944 öffentlich hingerichtet. Der Jüngste von ihnen, ein Edelweißpirat namens Günter Schwarz, war erst 16 Jahre alt.

Das war weniger Wochen vor Kriegsende. Nach Ende des Kriegs und der Nazizeit wurden die Edelweißpiraten aber nicht als Widerstandskämpfer geehrt sondern auch in der Bundesrepublik als Kriminelle betrachtet. Daher kommt die letzte Strophe unseres Lieds: Aus der Enttäuschung der Überlebenden, die in der Nachkriegszeit nur wenig besser behandelt wurden als in der Nazizeit.

Erst vor 25 Jahren konnten die überlebenden Edelweißpiraten, inzwischen alte Männer, der Öffentlichkeit klarmachen, dass sie damals gegen Hitler gewesen waren und einfach nur frei und selbstbestimmt leben wollten. Und erst vor zwei Jahren wurden vier von ihnen offiziell vom Kölner Regierungspräsidenten als Widerstandskämpfer anerkannt.

Viel wissen wir heute nichts über sie, denn sie haben selbst keine Tagebücher geführt aus Angst vor Verfolgung, und die Akten der Verhöre sind fast alle vernichtet worden. Wir wissen aber, dass es ihnen vor allem darum ging, nicht einfach nur mitzumarschieren und Befehlen zu gehorchen. Wir wissen, dass sie mit Kohte und Juja und Klampfe raus aus den Städten wollten, und dass sie auf Hitler und die Nazis so wütend waren, weil man ihnen ihre Fahrten verbieten wollte. Weil sie sich nicht einfach anpassen wollten, haben sie sich gegen das "Dritte Reich" gewehrt: Das ist ein Kapitel von vielen aus der Geschichte der bündischen Jugendbewegung.

Edelweißpiratenlied

Sie saßen oft am Märchensee beim Lagerfeuer.
Sie wollten leben, wie es ihnen gefiel.
Der neue Kurs im deutschen Land war nicht geheuer.
Sie wollten frei sein, mit Gesang, Gitarrenspiel.
Mit ihrer Kleidung nahmen sie's nicht so genau.
Ganz offen trugen sie das Edelweiß zu Schau.
Sie hatten Mut, und das war gut.

Sie hatten nichts im Sinn mit braunen Nazihorden.
Sie hielten nichts von dem Geschrei vom "Heil und Sieg".
Was war denn nur aus ihrem Vaterland geworden?
Man schürte offen den verbrecherischen Krieg.
Da gab's nur eins zu tun befrei'n wir dieses Land.
Da durfte keiner ruh'n wir leisten Widerstand.
Sie hatten Mut, und das war gut.

(Refrain:)
Vielleicht wird morgen schon eine neue Zeit anfangen.
Vielleicht ist morgen schon der Spuk vorbei.
Vielleicht wird morgen schon eine neue Zeit anfangen.
Vielleicht ist morgen schon der Spuk vorbei.

Da gab's 'nen Güterzug mit Kriegsgerät und Waffen.
Und was man sonst noch braucht für einen Völkermord.
Da machten sie sich an den Gleisen kurz zu schaffen.
Der Zug erreichte niemals den Bestimmungsort.
Und Essensmarken vom Parteibüro der Stadt,
war'n plötzlich weg und Zwangsarbeiter wurden satt.
Sie hatten Mut, und das war gut.

(Refrain)

Sie glaubten fest daran, daß sie den Sieg erringen.
Sie glaubten fest daran, aus Schaden wird man klug.
Sie glaubten fest daran, als sie zum Galgen gingen.
Sie glaubten fest daran, als man sie vorher schlug.
Und diese Angst, die hinter jeder Folter steht,
die ist so groß, daß man den besten Freund verrät.
Versteht man gut, versteht man gut.

(Refrain)

Sie stehen heute noch auf manchen Schwarzen Listen.
Ich möchte' fast sagen, heut' ist's wieder mal soweit.
In Amt und Würden sitzen wieder mal Faschisten.
Und zum totalen Krieg ist mancher schon bereit.
Nur seh' ich Tausende, und das beruhigt mich sehr.
Die zeigen offen das zerbrochene Gewehr.
Denn das macht Mut, denn das macht Mut.

(2x)
Und dann wird morgen schon eine neue Zeit anfangen.
Und dann ist morgen schon der Spuk vorbei.

Kölner Edelweißpiraten

Edelweißpiraten-Links

Edelweiß-Kampfruf

Kurze Haare, große Ohren
So war die HJ geboren!
Lange Haare, Tangoschritt
da kommt die HJ nicht mit!
Und man hört's an jeder Eck'
Die HJ muß wieder weg!

In Junkers Kneipe

In Junkers Kneipe bei Bier und Pfeife
da saßen wir oft zusammen.
Ein guter Tropfen vom besten Hopfen,
uns durch die Kehle rann.

(Refrain:)
Wenn die Burschen singen
und die Klampfen klingen
Und die Mädels fallen ein
Was kann das Leben
uns denn schon geben,
wir wollen glücklich sein!

Wo die Fahrtenmesser blitzen
und die Hitlerjungen flitzen
Und wir Edelweisspiraten hinterdrein:
Was kann das Leben
uns denn noch geben,
wir wollen frei von Hitler sein.

Es ist so spät schon, der Wirt schläft schon
das Bier wird langsam schal
Doch eh wir gehen zum Schlaf uns legen
Da singen wir nochmal:

(Refrain)

Die alten Zeiten vorüber gleiten
und draußen tobt die Nacht.
Und immer wieder singen wir die Lieder
die uns so froh gemacht:

(Refrain)

(Vertonung von Mr. Carl und die 1zu1 Band feat. Bantu aus Köln)

Flugblatt der Edelweißpiraten.

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