Jeder 3. Freitag im Monat: Überbündischer Singeabend
Wenn sich ein paar von uns treffen, ist eine Gitarre meistens nicht weit. Abends in der Kohte, am Feuer, im Stammesheim bei der Meuten- oder Sippenstunde: Plötzlich hält sie einer auf den Knien und fängt leise zu zupfen an. Erst vorsichtig, nur für sich, dann markanter, bis die einzelnen Töne sich zu einer Melodie ordnen und die anderen mit dem Text einsetzen:
Schatten flackern am Ruinenrand.
Hat das Singen dich nicht längst gebannt?
Singen ist für uns weder Stimmtraining noch lästiges Notenentziffern, sondern ein Erlebnis. Wer mit uns singt und sich auf unsere Lieder einlässt, findet unsere Gemeinschaft und trägt selbst ein Stück dazu bei. Dazu gehört, dass jeder den anderen mit Selbstbewusstsein und Rücksichtnahme begegnet - gar nicht so einfach, wenn man es überhaupt nicht mehr gewohnt ist, gemeinsam zu singen.
Wichtig ist uns natürlich nicht nur das Singen an sich, sondern auch, was wir singen. Unser Liedgut ist in seiner Vielfalt unverwechselbar - Fahrtenlieder aus den Anfängen der Wandervogelbewegung, noch ältere Balladen und Volkslieder, Goethe-, Heine- und Brecht-Vertonungen, das internationale Liedgut der d.j.1.11., der südlegion und der Nerother, Lieder aus dem bündischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus, jiddische und schottische Melodien, Mey und Degenhardt, Klassiker der Pfadfinderbewegung, aber auch viele jüngere Lieder aus dem BdP und anderen Bünden.
Natürlich können wir auch Country Roads und Yesterday singen (und Paint it black ist genauso Teil von unserem Repertoire wie Streets of London). Aber zu unserer besonderen Singkultur gehört ein Liedkanon, der sich deutlich von dem abhebt, was man vom Lagerfeuer im Schrebergarten und aus dem Musikunterricht kennt. Dieser Liedkanon ist eine Mischung aus Eigenem und Fremdem, aus traditionellem Liedgut der Pfadfinder- und Jugendbewegung und aus Liedern, die Generationen von Pfadfindern von ihren Fahrten mitgebracht haben.
Wir singen von Seefahrern, Seeräubern und Klabautermännern, von Landsknechten und Raubrittern, Zauberhexen, Trollen und der schwarzen Pest. In unseren Liedern gibt es Kosaken, schlesische Weber, Moorsoldaten, katalonische Torreros und Zigeuner, mutige Edelweißpiraten und wilde Gesellen auf staubiger Straße. Wir kennen Westermanns Lönstief, Nischni Nowgorod, Saragossa, Temesvar, Killarney, Kilkenny, Belostrow, das Land Magyar, den Fresenhof und beide Seiten des Tweed. Ob wir Jalava begegnen, Leezy Lindsay auf dem Weg in die Highlands oder Miruschka mit der Kosakenmütze; ob der alte Siset zu uns spricht oder Trina uns die Treue versagt: Wir erfahren mit jedem Lied ein Stück von der Welt.
Diese Aufnahmen stammen von einer Jurten-Singerunde während des Bundeslagers im August 2009. Ausgelassene Atmosphäre, rauher Gesang, Experimente auf dem Cajón - man merkt, dass wir nichts vom mitlaufenden Band wussten...
Wir danken Tazan vom Stamm LEO in Leipzig für die Mitschnitte und für die Bereitstellung der Aufnahmen!
Es gibt ein neues Bilderrätsel! Hier könnt ihr Pfadfinderlieder, von unseren Sippen kreativ dargestellt, erraten.